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Schmiedeweg 1

    Dorfschmiede

    Von Horst Zimmer

    Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts prägten Landwirtschaft und Handwerk das ländliche Leben. Ein Dorf konnte früher nur existieren, wenn die zentralen Gewerke wie Müller, Bäcker, Zimmermann, Schuster, Böttcher, Schneider, Korbmacher u.v.m. zusammenwirkten. Dem Schmiedehandwerk kam dabei eine besonders wichtige Rolle zu, da es die Voraussetzungen erst schaffte, dass ein Bauer pflügen, dass eine Kutsche fahren oder dass ein Müller Getreide mahlen konnte. Weitere wichtige Aufgaben eines Schmieds waren das Beschlagen von Pferden sowie das Anfertigen von Werkzeugen und Waffen; praktisch alle metallbezogenen Arbeiten lagen in seinem Aufgabenbereich. Dieses Handwerk gehört zu den ältesten Berufen der Menschheitsgeschichte, ohne einen Schmied wäre der Alltag kaum zu bewältigen gewesen.

    Heutzutage ist das Schmieden eher ein gestaltendes Handwerk für spezielle Einzelanfertigungen. Alles andere obliegt der Industrie mit ihren Metallbauern, Werkzeugmachern u.ä. Berufen, die mit Massenerzeugnissen die Bedürfnisse erfüllen. Trotz aller Veränderungen bleibt aber der Kern seit Jahrtausenden der gleiche: Feuer, Hitze, glühendes Metall und handwerkliches Können! Der Dorfschmied war ein Allrounder, absolut unverzichtbar für jede Gemeinschaft. Das Schmiedehandwerk ist Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes!

    Von ehemals mehreren Schmiedewerkstätten in Drage ist nur eine einzige erhalten geblieben. Im Jahre 1791 ist sie erstmals erwähnt, 1845 auch der Standort beurkundet. Seitdem hat sie sich stark verändert. Unter anderem wurde das originale Reetdach wie so oft Opfer der Modernisierung. Immerhin hat die für jede Schmiede unabdingbare Esse die Zeiten überlebt und steht nach wie vor an ihrem von Alters her angestammten Platz.

    Um 1890 gibt es eine Verkaufsanzeige in der Friedrichstädter Zeitung, in der auch das zugehörige Wohnhaus mit angeboten wird. Kaufliebhaber sollen sich an den damaligen Besitzer Hans Jürgen Scherner wenden. Im Gebäuderegister von 1867 steht:
    „Staven – Bezeichnung im Erdbuch: 25
    A) Wohnhaus, Garten 80 Quadrathruthen (ca. 1600m2), 1 Stockwerk; Umfassungswände Tafelwand; Dach Stroh; Zustand alt; 1 heizbare Stube, 1 nicht heizbare Stube, Küche, Kammer, Dreschtenne, Raum für (?) Stück Hornvieh“.

    Die Schmiede hatte in all den Jahren viele Eigentümer, die auch den Beruf des Schmiedes ausübten. Zwischen 1934 und 1962 lag sie dann allerdings brach. Die letzten Besitzer, Ernst und Rolf Nottelmann, nahmen sie 1962 wieder in Betrieb und hielten das Schmiedehandwerk bis weit ins neue Jahrtausend – zuletzt als Hobbywerkstatt – am Leben.

    Foto: Steve Gröne 2024
    Drager Schmied bei der Arbeit. Foto: Familie Nottelmann, um 2000
    Foto: Familie Nottelmann, um 2000
    Vermietung Deichweg 1, Anzeige von 1843
    Verkaufsanzeige der Schmiede 1890