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Dorfstraße 1

    Haus Daniel / Pöplau

    Querdielenhaus von 1863

    Von Berrit Schleth

    Ein Reetdachhaus mit bewegter Geschichte
    Von den bäuerlichen Anfängen bis zum heutigen Wohnhaus

    Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1781 zurück

    Alte Häuser erzählen ihre Geschichte nicht nur durch Fachwerk, Reet und alte Balken. Ihre Geschichte steckt ebenso in den Menschen, die sie bewohnten, in den Veränderungen, die sie über Jahrzehnte erfahren haben, und manchmal auch in den Spuren vergangener Ereignisse. Das Reetdachhaus der Familie Pöplau ist ein solches Haus. Seine Geschichte lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen und reicht über Brände, bauliche Veränderungen und einen Besitzerwechsel bis zur umfassenden Sanierung in jüngerer Zeit.

    Nach den Angaben des neu erschienenen Historischen Hauskatasters Stapelholm lassen sich Vorgängerhäuser an dieser Stelle erstmals 1781 nachweisen. Das heutige Gebäude steht damit an einem Ort, an dem bereits vor mehr als 240 Jahren gewohnt und gewirtschaftet wurde.

    Einen besonders anschaulichen Einblick in das Anwesen gibt das Erdbuch von 1867. Darin wird das Haus als eingeschossiges Wohnhaus mit massiven Wänden und Reetdach beschrieben. Zum Gebäude gehörten eine beheizbare und eine unbeheizte Stube, eine Küche, ein Keller und eine Kammer. Auch eine Dreschtenne war vorhanden.

    Die Größe und Ausstattung des Anwesens zeigen, dass Wohnen und Landwirtschaft damals untrennbar miteinander verbunden waren. Zum Hof gehörten Stallungen mit Platz für vier Pferde und sechs Stück Hornvieh. Hinzu kamen Garten- und Hofraum von insgesamt 60 Quadratruten.

    Das Haus war somit nicht allein Wohnstätte, sondern Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebes. Menschen und Tiere lebten und arbeiteten auf engem Raum, während die Dreschtenne und die übrigen Wirtschaftsräume der Versorgung und Bewirtschaftung des Hofes dienten.

    Zwei Brände und die Gefahren des Reetdachs

    Die Geschichte der Vorgängerhäuser ist allerdings auch mit schweren Bränden verbunden. Nach den Angaben des Hauskatasters brannten die Vorgängerhäuser 1857 und 1863 ab. Die Feuer hatten auch Auswirkungen auf Gebäude in der Nachbarschaft.

    Wie verheerend ein solcher Brand sein konnte, zeigt ein Bericht der Friedrichstädter Zeitung vom 13. Mai 1863. Er beschreibt einen Brand in der Dorfschaft Drage, bei dem sich das Feuer in kurzer Zeit ausbreitete und neben dem zuerst betroffenen Gebäude auch ein weiteres Haus erfasste.

    Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Die im Zeitungsbericht geschilderten Todesfälle, Verletzungen und der Verlust von Vieh beziehen sich auf das Nachbarhaus in der Dorfstraße 3 und nicht auf das hier beschriebene Haus.

    Der Bericht vermittelt dennoch einen eindrucksvollen Eindruck von der Gefahr, die in jener Zeit von einem Brand ausging. Eine fünfköpfige Familie verlor durch das Feuer die Mutter und zwei Kinder; der Vater und ein weiteres Kind wurden schwer verletzt. Auch mehrere Tiere kamen in den Flammen um.

    In einer Zeit, in der Reetdächer weit verbreitet waren und die Gebäude oftmals eng beieinanderstanden, konnte ein Feuer innerhalb kürzester Zeit von einem Haus auf das nächste übergreifen.

    Ein Haus verändert sein Gesicht

    Auch baulich hat das Haus im Laufe seiner Geschichte manche Veränderung erfahren. Besonders prägend war dabei der Kapitänsgiebel auf der Nordseite. Dieser war bereits einige Jahre vor dem Erwerb durch die Familie Pöplau eingestürzt. Ein Wiederaufbau erfolgte zunächst nicht.

    Eine weitere Besonderheit bestand darin, dass das Gebäude ursprünglich über keine Fundamente verfügte. Im Laufe der Zeit wurden deshalb die Giebel auf der Ost- und Westseite nach und nach erneuert. So veränderte sich das Erscheinungsbild des Hauses Schritt für Schritt, während der historische Charakter des Gebäudes erhalten blieb.

    1954 kommt das Haus zur Familie Pöplau

    Ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte des Hauses begann im Jahr 1954. In diesem Jahr kauften Kurt und Hilde Pöplau das Anwesen von Peter Jakobs.

    Jakobs hatte das Objekt ursprünglich vor allem deshalb erworben, weil er an dem zum Haus gehörenden Land interessiert war. Das Gebäude selbst stand für ihn offenbar nicht im Mittelpunkt. Nachdem er das Grundstück erworben hatte, veräußerte er das Haus daher unmittelbar wieder.

    Mit dem Kauf durch Kurt und Hilde Pöplau begann eine neue, über Jahrzehnte andauernde Phase der Hausgeschichte. Das Gebäude blieb im Besitz der Familie und wurde zu einem festen Bestandteil ihrer Geschichte.

    Von der bäuerlichen Hofstelle zum modernen Wohnraum

    Lange Zeit prägten die traditionellen Bereiche des Hauses – Wohnteil, Tenne und Stallungen – seine Nutzung. Die alte Aufteilung erinnerte dabei noch unmittelbar an die bäuerliche Vergangenheit des Anwesens.

    Einen besonders großen Einschnitt brachte schließlich das Jahr 2013. Der Sohn von Kurt und Hilde Pöplau, Thomas Pöplau, der heutige Besitzer, entschloss sich gemeinsam mit seiner Frau zu einer umfassenden Sanierung.

    Tenne und Stallungen wurden kernsaniert und zu Wohnraum umgebaut. Damit erhielt der alte Wirtschaftsteil eine völlig neue Funktion. Aus den Räumen, in denen einst Getreide verarbeitet und Vieh gehalten wurde, entstand zeitgemäßer Wohnraum.

    Dabei verbindet das Haus heute zwei Zeitepochen miteinander: Die historische äußere Erscheinung mit dem charakteristischen Reetdach erinnert an seine jahrhundertealte Vergangenheit, während die umgebauten Innenräume heutigen Wohnansprüchen entsprechen.

    Ein Stück lebendige Geschichte

    Die Geschichte des Hauses reicht damit weit über einzelne Jahreszahlen hinaus. Von den ersten nachweisbaren Vorgängerhäusern im Jahr 1781 über die schweren Brände des 19. Jahrhunderts, die baulichen Veränderungen und den Erwerb durch Kurt und Hilde Pöplau im Jahr 1954 bis zur Kernsanierung von Tenne und Stallungen im Jahr 2013 hat das Gebäude immer wieder neue Zeiten erlebt.

    Besonders bemerkenswert ist dabei, dass das Haus trotz seiner Veränderungen seine Verbindung zur Vergangenheit bewahrt hat. Wo früher Pferde und Rinder standen, befindet sich heute Wohnraum. Wo einst auf der Dreschtenne gearbeitet wurde, wird heute gelebt. Und über allem liegt noch immer das Reetdach, das das Gebäude mit der traditionellen Baukultur Stapelholms verbindet.

    So ist das Haus heute nicht einfach ein historisches Gebäude. Es ist ein lebendiges Zeugnis mehrerer Generationen, in dem sich bäuerliche Vergangenheit, Familiengeschichte und moderne Nutzung miteinander verbinden.

    Foto: Steve Gröne 2024
    Foto: Thomas Pöplau, um 1950