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Dorfstraße 17

    Alte Schule

    von 1843, Kulturdenkmal

    Auszug aus dem Dorfbuch von Rolf Kuse

    Keine Gilde und kein Verein dürften für das Entstehen von Gemeinschaftsgefühl und lebenslangen Freundschaften eine so wichtige Rolle gespielt haben wie die Dorfschule, die fast alle Bewohner durchlaufen haben. Deshalb soll auf sie hier etwas ausführlicher eingegangen werden.
    Ebenso wie sich die allgemeinen Lebensumstände und die Struktur des Dorfes seit Beginn des 20. Jahrhunderts gründlich verändert haben, trifft dies auch auf die Schule zu. Vor allem die Eintragungen aus den vorliegenden Schulchroniken vermitteln wie Momentaufnahmen Eindrücke vom damaligen Schulleben ab 1900 bis zur Schließung der Schule im Jahre 1969. Laut Erlass der Schulbehörde waren die Lehrer nämlich angewiesen, Schulchroniken anzulegen und auch Ereignisse ihrer Gemeinde festzuhalten.
 Die vorliegenden Aufzeichnungen beginnen im Jahre 1881 und bestehen aus drei Teilen, die an unterschiedlichen Stellen aufbewahrt werden. Es sind darin nicht nur schulische, sondern auch zeitgeschichtliche und allgemeine Ereignisse im Dorf festgehalten. Ab Mai 1937 fehlen die Aufzeichnungen; sie wurden vermutlich entfernt. Erst ab Oktober 1951 werden sie im gleichen Heft fortgesetzt. Die letzte Eintragung datiert vom April 1968.

    Das Gebäude

    Mit dem Schuljahr 1968/69 endete auch das Bestehen der öffentlichen Drager Schule. Das Gebäude besteht, allerdings privat genutzt, heute noch. Gut 125 Jahre zuvor, am 9.11.1843 hatte der Ditmarser und Eiderstedter Bote geschrieben:
    „Das vom Zimmermann Jens Carstens aus Friedrichstadt in Bau übernommene Drager Schulhaus ist 
nunmehro ganz fertig und zur allgemeinen Zufriedenheit am gestrigen Tage in Beyseyn eines eigens dazu committirten Sachkundigen, von dem Bauunternehmer abgeliefert worden. Es ist ein wahres Prachtgebäude, das eine nicht geringe Zierde des Dorfes ist und anderen Schulcommunen als Richtschnur dienen kann“.
    Dazu erschien ein Schmuckblatt „Gesänge, gesungen bei der Einweihung der Schule zu Drage“ mit den Texten dreier Lieder (Bild 2).

    Das 60-jährige Bestehen war dem Friedrichstädter Wochenblatt vom 12.3.1904 eine Meldung wert: „Ein eigenartiges Jubiläum kann die Gemeinde Drage in diesem Jahr begehen. 60 Jahre sind nämlich vergangen, seit der Grund zum Schulhaus gelegt wurde. Zur Zeit des Sturmes auf Friedrichstadt (28. Sept.-4. Okt.) 1850 diente das jetzige 1. Klassenzimmer als Lazarett“.
    In welchem Gebäude der Unterricht vorher stattgefunden hat, ist nicht mehr bekannt. Zumindest soll bereits vor 1600 unterrichtet worden sein, wobei erstmals Claus Köster aus Süderstapel, der dort als Küster wirkte, erwähnt wird. 1605 soll ihm Hermann von Linga, vorher Kirchspielschreiber beim Landvogt in Süderstapel, nachgefolgt sein.

    Das Schulgebäude wird in der Schulmatrikel folgendermaßen beschrieben: Die östliche Hälfte enthält zwei Klassenzimmer für die Oberklasse und die Elementarklasse, die mit einem eisernen Regulierofen beheizt werden. In der westlichen Hälfte ist die Wohnung des ersten Lehrers eingerichtet. Diese enthält zwei heizbare Zimmer von 26 und 17,3 qm Fläche, eine nicht heizbare Schlafstube von 13,44 qm Fläche, eine Kammer, eine Küche, eine Speisekammer und einen Keller. Zum landwirtschaftlichen Betrieb des ersten Lehrers sind ein Stall, eine Tenne und hinreichender Bodenraum vorhanden. 1880 wird an die Klassenräume angrenzend eine Einzelwohnung von 7,30 x 3,75 qm Gesamtgröße mit zwei Räumen, von denen einer beheizbar ist, für den zweiten Lehrer hergestellt. Der Hofraum umfasst 77 qm; es befindet sich darauf ein Nebengebäude u.a. mit einem Schweinestall und einem Abort für den Lehrer.

    Auf einem vom Schulgarten abgetrennten Raum befindet sich der Abort für die Schulkinder. Außerdem gibt es einen 328 qm großen eingefriedeten Spielplatz, welcher zugleich als Turnplatz genutzt wird. Ein eigener Schulbrunnen (Pumpe) mit gutem Trinkwasser ist vorhanden. Zum Schulvermögen gehörten an Liegenschaften: Das Schulgrundstück mit etwa 0,20 ha und das Schuldienstland mit 5,31 ha, wovon 0,83 ha auf Acker und 4,48 ha auf Wiese entfielen. Die Dienstländereien wurden verpachtet, die Pachtgelder dem Lehrergehalt zugeschlagen.
    1958 hatte die Gemeinde ein neues Schultoilettengebäude errichtet, das allerdings viele Mängel aufwies. 


    Pfusch der Firma Johann Hansen, hieß es; so ließ man z.B. einen der drei Betonringe der Kläranlage einfach verschwinden, da das Absenken zu viel Mühe gemacht hatte. Eine umfangreiche Mängelliste wurde diesbezüglich auch im März 1959 vom Kreisgesundheitsamt Schleswig erstellt. 1961 wurde in der Lehrerdienstwohnung eine Toilette eingebaut.
    Im April 1967 wurde in der Hauptlehrerwohnung, die schon seit 1964 leer stand, provisorisch eine Klassenzimmer für das 1. und 2. Schuljahr eingerichtet. Die anderen beiden Zimmer wurden renoviert.
    Im März 1969 ergab eine Besichtigung des Kreisgesundheitsamtes Schleswig erhebliche bauliche und hygienische Mängel des Gebäudes. Möglicherweise hat dies Urteil dazu beigetragen, dass im Mai 1969 durch das Schulamt in Schleswig die Genehmigung zum Austritt aus dem Schulverband Stapelholm erteilt wurde. Im Juli 1969 beschloss die Gemeindevertretung, die Kinder mit Beginn des Schuljahres 1969/70 in die Volksschule Friedrichstadt einzuschulen und die Schule in Drage zu schließen. Bekanntlich gehörten Drage und Seeth ab 1969 zum Amt Friedrichstadt und ab 1970 zum Kreis Nordfriesland. Danach wurden zwei Schulräume als Werkstatt durch die Tischlerei Buhmann genutzt, während die Lehrerwohnung mit vier Räumen und einer Küche weiterhin belegt war.
    Im Mai 1972 wurde der Wert der Schule mit Grundstück (Schulhof, Hoffläche, Turnplatz) und Nebengebäude (Garage und WC) auf 31.392 DM geschätzt und das gesamte Anwesen im Februar 1975 für 45.000 DM an einen auswärtigen Käufer abgegeben.

    Der Stapelholmer 
Baukulturpreis 2025 
für Paul Eichmann und die Alte Schule in Drage

    In den vergangenen Jahrzehnten hat die Familie Eichmann die Schule in Drage erhalten, gepflegt und saniert. Der Förderverein Landschaft Stapelholm e.V. hat daher den diesjährigen Baukulturpreis an den Eigentümer Paul Eichmann vergeben. Die Jury begründet ihre Entscheidung:

    Ob Bauernglocken, Kirchen, alte Bauernhäuser oder Treppengiebel: Stapelholm ist voller Wahrzeichen, mit denen sich die Bürgerinnen und Bürger identifizieren. Diese besonderen Bauwerke vermitteln Heimatgefühl, Geborgenheit und Vertrautheit. Sie sind in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen und ihr Besitz und Erhalt ist eine große Verantwortung.
    In Drage ist die Alte Schule zu einem Wahrzeichen des Dorfes geworden. Viele Generationen haben sie besucht, wurden hier auf ihr Leben vorbereitet und verbinden unzählige Erinnerungen mit dem Gebäude. Auch wenn der Schulbetrieb hier bereits vor über 50 Jahren eingestellt wurde, gehört die Alte Schule noch zum Dorfmittelpunkt Drages.
    Der Erhalt eines Wahrzeichens wie die Alte Schule ist eine besondere Herausforderung, der sich die Familie Eichmann seit vielen Jahrzehnten gestellt und die sie in hervorragender Weise erfüllt hat. Paul Eichmann hat in den vergangenen Jahren mit großem Engagement das Haus saniert und modernisiert. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz ist es gelungen, die Alte Schule für die Zukunft fit zu machen und sie auch für heutige Wohnansprüche herzurichten. Mit dem Erhalt des über 180-jährigen Gebäudes bleibt Drage ein Wahrzeichen erhalten.
    Der Förderverein Landschaft Stapelholm e.V. dankt Paul Eichmann für sein Engagement und würdigt dieses durch die Verleihung des Baukulturpreises.

    Foto: Steve Gröne 2026
    Foto: Steve Gröne 2026
    Foto: Steve Gröne 2024
    Foto: 2008, Sammlung Arno Vorpahl
    Postkarte, abgestempelt 1921. Foto: Sammlung Arno Vorpahl
    Broschüre mit Liedern zur Einweihung der Schule (Archiv der Landschaft Stapelholm)
    Unterricht in Drage (Foto: Sammlung Arno Vorpahl)
    Ein Höhepunkt im Jahresverlauf war das Kinderfest (Foto Konrad Gersonde / Archiv der Landschaft Stapelholm)
    Die Schule wurde auch vom Drager Gesangverein genutzt (Foto: Sammlung Arno Vorpahl)