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Holm 15

    Haus Carl / Lemke

    Kniestockhaus, um 1909

    Von Reinhold Haase

    Nähert man sich dem Haus von Norden kommend auf der Dorfstraße, dem Holm, so ist man fast unbemerkt schon ein ganzes Stückchen bergauf gefahren. Fährt man vorbei, geht es fast unmerklich bergab und der höchste Punkt Drages ist schon überschritten. Nur in der unbelaubten Zeit zwischen Oktober und April bemerkt man, wie einen vom nördlichen Giebel zwei hohe Rundbogenfenster beobachten – abweisend unter ihren grünen Augenbrauen, umwuchert von einem wilden Bart aus Efeu – oder bis spät in die Nacht sanft gelb oder bläulich leuchtend.

    Im Norden des Resthofes, verborgen durch Haus und Hecke, entstanden in der Hofzeit auch mehrere Anbauten als flache Schuppen mit Blech- oder Teerpappendach, als Platz für Kälber, Hühner oder die Milchkammer. Hier waren, durch eine zweite Auffahrt erreichbar, die Mistplatte, eine Hauskläranlage und ein Brunnen vorhanden.
    Das alte Gebäude von 1909, das nahtlos vom Wohnteil mit drei quadratischen Zimmern, einem kleinen Bad und der zentral gelegenen, lichtlosen Küche in den Stallteil überging – mit Platz für zwei Pferde, drei bis vier Milchkühe und Jungvieh – wurde in den 60er Jahren um einen etwas höheren Stall mit Heuboden erweitert, auf einer Seite Schweinekoben, auf der anderen Hornvieh an Ketten. In dieser Zeit entstand auch die Wagenremise mit abgeschlepptem Dach nach Süden, die zumindest zeitweise auch als Werkstatt für Landmaschinen diente.

    Was war/was bleibt?

    Als die jetzigen Eigentümer das Haus übernahmen, stand es schon eine Weile leer. Von den letzten Bewohnern, bei denen das Dorf Kränze für jeden Anlass binden ließ, blieb noch die eine oder andere Plastikrose in den Zwischendecken. Die großen Kunststofffenster und die Haustür lieferten das Licht für mehrere Umbauarbeiten. Das Pappdach, dem irgendwann eine Asbestzement-Dauerwelle verordnet worden war, wich einem einfachen Zement-Schieferdach. Im Obergeschoss entstanden bewohnbare Räume, dem in den Stallteil erweiterten Bad wichen Öltanks und Pferdeboxen. Inzwischen kommt die Wärme aus dem Fernwärmenetz. Tür und Fenster wurden durch passende hölzerne ersetzt. Nun schützt ein Vordach ganz im Stil der alten Zimmererarbeiten die neue Friesentür.

    Nach Westen endet das Hausgrundstück am Nietenweg. Aus der ehemaligen Weide ist ein Wäldchen mit Streuobstwiese entstanden. Zwischen Haus und Obstbäumen liegt deutlich tiefer der Garten.
    Sollten Sie beim Lesen dieses Textes gerade vor dem Haus stehen, macht der Kies, der in diesem Garten abgebaut und zur Befestigung der Dorfstraße genutzt wurde, Ihren Standpunkt zum – vermutlich – höchsten in Drage.

    Foto: Steve Gröne 2024
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026
    Foto: Ute-Maria Haase, 2026