Haus Bohn / Kruse
Wohn- und Wirtschaftsgebäude, 1905

Von Steve Gröne
Dieses Wohn- und Wirtschaftsgebäude ließ der „Landmann“ Christian Bohn im Jahr 1905 neu errichten.
Die Vorgänger des heutigen Gebäudes lassen sich anhand der Brandversicherungs-Kataster bis ins Jahr 1766 zurückverfolgen.
Bis Christian Bohn 1888 als Eigentümer verzeichnet ist, wurden die Gebäude mehrmals verkauft.
Aus dem Aufmaß des Jahres 1992 (Bild 3) lässt sich nachvollziehen, dass dieses Gebäude im Stil der historischen Fachhallenhäuser erbaut wurde, im westlichen Teil der Wohnbereich, im östlichen Teil der Wirtschaftsbereich mit den Einstellplätzen fürs Vieh. Allerdings wurden für zusätzlichen Raumgewinn oder zur besseren Belichtung die Längsseiten des Gebäudes mit einem Drempel erhöht, so dass die Dachtraufe deutlich höher ansetzt als an vergleichbaren Reetdachgebäuden.
Die Dachdeckung erfolgte (vermutlich) mit heimischem Reet, nur der Frontspieß (Giebel) über der Haustür wurde aus Brandschutzgründen mit Schiefer gedeckt.
Die 6 Räume im Wohnteil erhielten unterschiediche Fußbodenbeläge: „Bretter, Ziegel, Cement und Lehm“. Von der Küche führte ein schräg gemauerter Schornstein in den Dachfirst. Die Küche erhielt an der Außentür einen zusätzlichen „Windfang“ aus massivem Ziegelmauerwerk und Pappdach.
Für die Schweinehaltung wurde ein separates Gebäude errichtet. Es enthielt mehrere Schweineboxen und einen Kessel mit eigenem Schornstein zur Zubereitung des Schweinefutters.
Vor dem Stallgebäude befanden sich eine Jauchegrube und der Mistplatz.
Bis zur Übernahme des Gebäudes durch die jetzigen Eigentümer blieb der Hof (laut vorliegender Unterlagen) im Besitz der Familie Bohn bzw. ihrer Nachkommen. Im Zuge verschiedener „Modernisierungsmaßnahmen“ wurden bis 1990 erhebliche Veränderungen am äußeren Erscheinugsbild des Gebäudes vorgenommen (Bilder 4+5): Im Westgiebel wurden breite Kunststofffenster eingesetzt, der Ostgiebel wurde insbesondere durch das Zumauern des Dielentores gänzlich verändert, einige Fenster wurden durch Glasbausteine ersetzt. Auch im Inneren des Wirtschaftsteils wurden „Anpassungen“ vorgenommen wie der Einbau von Betonfußböden und die Änderung der Deckenhöhe. Im Wohnbereich erfolgte der Einbau einer Zentralheizung sowie die Ergänzung eines Sanitärbereichs.
Mit dem Erwerb des „Resthofes“ haben die jetzigen Eigentümer begonnen, das Gesicht des Hauses wiederherzustellen; die Giebel erhielten ihre (fast) ursprünglichen Fensterproportionen und das typische Lohtor zurück.
Da die landwirtschaftliche Nutzung entfiel, wurde der ehemalige Kälberstall zur Einliegerwohnung (heute Ferienwohnung) ausgebaut, dafür wurden die ehemaligen gusseisernen Stallfenster gegen zweiflügelige Sprossenfenster ausgetauscht. Und auch im Innern des Gebäudes wurde einiges verändert: die auf Lehm gelagerten Holzfußböden sind erneuert, der nicht mehr zulässige, schräge, marode Schornstein abgetragen und ersetzt sowie hinsichtlich Wärmedämmung und Raumklima die gut erhaltenen Außenmauern durch eine zusätzliche innenliegende Wand ergänzt. Die Raumbeheizung erfolgt heute durch das Nahwärmenetz der örtlichen „Biogas-Anlage“ und zusätzliche Kaminöfen. Für die Reinigung der Abwässer sorgt eine Pflanzen-Kläranlage.
Besonderen Wert legen die jetzigen Eigentümer auf die umfangreiche Bepflanzung der ehemals recht kahlen Hofstelle (Bilder 6+7), auf die Dachbegrünung aller Nebengebäude einschließlich Carport und nicht zuletzt auf die Streuobstwiese, die im Wilden Schleswig-Holstein als Übernachtungsplatz für Wanderer und Radfahrer angeboten wird.









