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Westerstraße 25

    Haus Carl / Stien

    Fachhallenhaus von 1806, Kulturdenkmal

    Von Horst Zimmer

    Mit diesem besonderen Schmuckstück zeigt sich die Drager Baukultur von ihrer besten Seite! Ein weit herab reichendes Reetdach wölbt sich über das langgezogene Fachhallenhaus, die harmonisch ins Dach eingelassenen Gaube schützt den Eingang und auf dem historischen Foto sieht man über dem großen Dielentor hoch oben auf dem Giebel noch ein ehemals mächtiges Storchennest. Errichtet wurde das Gebäude im Jahre 1806, nachdem das Vorgängerhaus am 12. Dezember 1805 einem Brand zum Opfer gefallen war, wie es im Laufe der Zeiten so vielen anderen Reetdachhäusern erging.

    Auf der Fassade ist mit den Mauerankern das Baujahr 1806 dokumentiert. Die darüber stehenden Initialen „HAH“ verweisen allerdings auf Hinrich und Hedwig Abraham, die den Hof erst im Jahre 1856 übernahmen.

    Da ein Erbe noch unmündig war, wurde der anscheinend einträgliche Bauernhof mit Garten, Backhaus, Schweinestall sowie 12 Demat Ländereien im Dezember 1843 für die Dauer eines Jahres in einem öffentlichen Bieterverfahren vermietet, „verhäuert“ wie die Friedrichstädter Zeitung berichtete. (1 Demat entsprach etwa einem halben Hektar).

    Schon 13 Jahre später im Dezember 1856 verkaufte dieser Erbe, Peter Kielholz, das gesamte Anwesen an Ernst Wilhelm Abraham, so ist es im Schuld- und Pfandprotokoll verzeichnet. Die inbegriffene Stavengerechtigkeit betrifft das Nutzungsrecht aller gemeindeeigenen Ländereien.

    1867 wird das Haus im Gebäudesteuerregister folgendermaßen aufgeführt:
    „Staven – Bezeichnung im Erdbuch: 57
    A) Wohnhaus; Garten 40 Quadratruthen, Hofraum 20 Quadratruthen; 1 Stockwerk; Umfassungswände massiv; Dach Reeth; Zustand mittel; 2 beheizbare Stuben; 1 nicht beheizbare Stube; Küche; Kammer; das Gebäude hell und geräumig; Raum für 2 Pferde und 6 Kühe, 4 Stück Jungvieh,Schweinestall“.
    (1 Quadratruthe entspricht etwa 21 m2).

    Nochmals 11 Jahre später, im Jahre 1872, konnte Herr J. Abraham aus Süderstapel die Stavenstelle (Gehöft) für 16000 Mark erwerben, so veröffentlicht in der Friedrichstädter Zeitung.

    In den Umwälzungen der bäuerlichen Betriebe in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hat auch dieses Anwesen seine ursprüngliche Bestimmung – die Landwirtschaft – verloren und wurde zu einem reinen Wohnhaus umgewidmet. Insbesondere der ehemalige bäuerliche Wirtschaftsteil hat größere Umbauten erfahren.

    Der bekannteste Besitzer dieser Liegenschaft war wohl der Schauspieler und Regisseur Günter Gräwert, der 1996 während einer Autofahrt von Husum nach Hamburg einem Herzinfarkt erlag. Die heutigen Besitzer erhalten den historische Charakter und machen das Haus zu einer wahren Zierde für die Gemeinde Drage und der ganzen Region Stapelholm.

    Foto: Steve Gröne 2024
    Haus kurz nach der Sanierung (um 1975). Foto: Archiv der Landschaft Stapelholm